Wie schön, dass es in unserer Gemeinde so viele engagierte Musiker gibt, die zur musikalischen Vielfalt in der Finkenkruger Kirche beitragen. So brachte Frau Britta Haase ihre musikalischen Mitstreiter des Barriette-Quartetts zum 3. Mal in unsere Kirche. Auch zum 3. Mal war es ein Benefizkonzert. Die Spende war dieses Mal der Arbeit mit Geflüchteten und dem Kirchenasyl in unserer Gemeinde gewidmet. Ganz herzlichen Dank den Musikern Britta Haase, Arnhild Micus, Henriette Jaeckel und Rainer Fournes.

Und natürlich vielen Dank für die Musik! Diese war mit den Werken von Nino Rota und Darius Milhaud so farbenfroh und facettenreich, dass ich immer wieder dachte: Wie wunderbar vermischt sich die Musik mit dem bunten Herbst, der durch unsere großen Kirchenfenster von vorn auf die Musiker schien. Und genauso passend sprangen die Töne und Klangfarben zwischen den Farben des Altarraums hin und her. In einer der ersten Reihen spielte ein Junge halb auf der Bank stehend wie bestellt mit einem bunten Band auf und ab. 

Die Farben der Töne und Klänge erweckten Impressionen bis hin zu bewegten Bildern. So war es nicht verwunderlich zu hören, dass beide Komponisten Filmmusiken schufen und vom malerischen und musikalischen Impressionismus beeinflusst waren. Jedoch waren es nicht nur Klänge, sondern auch Melodien, die eine Stimmung in mir aufkommen ließen, die mal nach französischem Rotwein schmeckte und später einen Hauch von Ewigkeit in sich trug. Das Streichquartett von Milhaud war schon noch etwas „klassischer“, als jenes von Rota, aber beide hatten die bildhafte Ausdrucksweise gemein.

Zwischen diesen beiden Komponisten erklang das unbeschwerte Streichquartett in E-Dur von Joseph Haydn. Im ersten Satz dachte ich: ja, so klingt Haydn. Und die lächelnde erste Geige war freudig anzusehen und sehr passend. Im zweiten Satz war ich in Gedanken kurzzeitig abgelenkt, weil ich mich fragte: Was hat ein Konzertbesucher so Wichtiges mitzuteilen, das via Smartphone unbedingt ein anderer Mensch genau jetzt wissen muss? Beim wieder Hinhören auf die Musik vernahm ich einen tänzerischen Satz, dem ein eher melancholischer 3. Satz folgte. Kurze Zuversicht klang zwischendrin auf – dann wieder ein eher resignierter Haydn.

Im letzten Satz fiel mir der Pultleuchter des Barriette-Quartetts in den Blick. Er ist eine Spezialanfertigung und verbindet vier Lichter, die von der Mitte her alle Pulte der Musiker beleuchten, und ist somit ein stimmiges Bild für den Zusammenhalt und den -klang der Musiker.

Schön, dass am Ende die bunten Töne von Darius Milhauds Streichquartett noch einmal wie bunte Perlen eines Kaleidoskops durch die herbstliche Kirche schienen. Und so kamen die Bilder in Licht und Farbe und von Abschied und Rotwein zurück und ich freute mich auf den Abend.

Auf dem Nachhauseweg musste ich mir eingestehen: Zum Geigelernen ist es für mich nun doch zu spät!

Stephan Hebold