„Schweige und höre, neige Deines Herzens Ohr, suche den Frieden“. Mit diesem Chorus stimmen wir uns immer auf unsere Meditationsstunde ein und werden uns damit schon des Inhaltes und des Zwecks der Meditation bewusst, nämlich durch Stille zu einer Zu-frieden-heit zu kommen.
Wir beginnen immer mit Übungen, die dazu dienen, unseren Körper wahrzunehmen. Dies ist wichtig, weil wir im Alltag an so vieles denken, und oftmals so unter Spannung stehen, dass wir den Körper gar nicht mehr wirklich spüren. Mir fallen gerade am Anfang unserer Meditationszeit die Spannungszustände in einigen meiner Muskelpartien auf, und allein diese zu registrieren, entspannt schon sehr.
Schön ist dabei das sogenannte „Körpergebet“, in dem wir uns mit Bewegungen wortwörtlich unseres Standortes bewusst werden, den Boden unter den Füßen spüren und uns dann auch mit Gesten und Bewegungen auf uns als bedürftige Menschen und Gott als den Geber und unseren Versorger besinnen. Diese ganzheitliche Herangehensweise entspricht ganz dem biblischen Verständnis des Menschen als eine Seele (hebräisch = näfäsch = Kehle, Schlund; wo das Bild von einem kleinen Vogel, der den Schnabel aufsperrt, dahintersteht).
Frau Sabine Goschin gibt uns dann zur Vorbereitung auf die stille Zeit, die dann wirklich schweigend verbracht wird, meist noch ein paar Gedanken und Anregungen mit. Dazu lesen und bedenken wir gemeinsam einen Text aus der Bibel oder einen Liedvers. Die 10 Minuten lange Schweigezeit wird dann, in eine warme Decke eingepackt, entweder auf dem Stuhl sitzend oder auch auf Matten am Boden verbracht.
Folgende Geschichte zeigt uns besser als jede Erklärung, wie das mit dem Schweigen wirken kann:
Eines Tages kamen einige Menschen zu einem einsamen Mönch. „Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben in der Stille und der Meditation?“, fragten sie. Der Mönch war mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen beschäftigt. Er sprach zu seinen Besuchern: “Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“ Die Leute blickten in den tiefen Brunnen: „Wir sehen nichts!“ Nach einer Weile forderte der Mönch die Leute erneut auf: „Schaut in den Brunnen! Was seht ihr jetzt?“ Die Leute blickten wieder hinunter: „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“ Der Mönch sprach: „Nun, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation: Man sieht sich selber! Und nun wartet noch eine Weile.“ Nach einer Weile sagte der Mönch erneut: „Schaut jetzt in den Brunnen. Was seht ihr?“ Die Menschen schauten hinunter: „Nun sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.“ Da erklärte der Mönch: „Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation: Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.“
(Verfasser unbekannt)
Nichts muss, alles kann sein; ob ich nun viel dabei denke oder einfach nur die Zeit genieße oder einfach nur eine kurze Zeit aus dem Trubel und den Verantwortungen des Alltags herausgenommen bin – wie auch immer – es lohnt sich auf jeden Fall, sich diese Stunde zu gönnen.
Es braucht schon Überwindung und etwas Mut, sich auf die Stille wirklich einzulassen, aber es tut sehr gut, wenn das Plappern der Gedanken immer mehr nachlässt und sich Entspannung und Ruhe ausbreiten. Manchmal drängt sich dann ein Gedanke in den Vordergrund, der irgendwo ganz verborgen, vielleicht sogar etwas unterdrückt war. Und den nehme ich dann mit auf meinen Weg nach Hause und in die nächste Zeit.
Jeden ersten Freitag im Monat um 18 Uhr gibt es dieses sehr schöne und hilfreiche Angebot in der Finkenkruger Kirche. Leitung Frau Sabine Goschin.
Kay Moritz